Das Stillste Stund Faninterview

 

 

 

Dies ist das Produkt eines Projekts der Stillste Stund Community.

Die User des Forums stellten Oliver von Stillste Stund Fragen. Hier die Ergebnisse.

 

 

 

 

Wir haben uns ja nun alle schon mal überlegt, ob und wie StSt eine Art "Auftritt" hinlegen könnten. Dabei geht es nicht um ein normales Konzert o.ä., sondern vielleicht etwas künstlerischeres, eine Art "Bühnenshow" oder so etwas. Habt ihr euch darüber auch mal den einen oder anderen Gedanken gemacht?

Ist das zeitlich überhaupt möglich?

Ich finde nämlich, dass man zu diesen schon eigentlich Werken sicher ganz viele beeindruckende und einzigartige Projekte starten könnte :>

 

Frage gestellt von: Cellar Door

 

Ok, das ist jetzt also hypothetisch...
Ich kann mir wirklich eine Menge zu unseren Stücken vorstellen. Man muss nur unterscheiden, in welchem Rahmen sowas stattfinden soll. Beim Festival würde ich auf irgendwelche Besonderheiten verzichten wollen und eher die straighten Stücke spielen, meinetwegen Sachen wie Mühle mahlt, Untergang, Untertage etc. - ich nenne sie für mich immer unsere "Arbeiterlieder", weils ständig um irgendwelche brachialen oder schweißtreibenden Inhalte darin geht.
Ich glaube, dass unter all den Sinnesreizen (gerade bei größeren Veranstaltungen), keiner einen Nerv auf irgendwelche anstrengenden Shows von Stillste Stund hätte. Ich glaube, die tatsächliche Stillste Stunde kann unter Sonnenschein und Partystimmung nicht wirklich funktionieren. Wie seht Ihr das?

Also wäre das für mich, wenn ich denn über eine Show von Stillste Stund nachdenken müsste, eher eine Angelegenheit auf kleiner Bühne, stimmungsvoll angelegt mit kurzen, eingeschobenen Passagen, wie Lesungen (in der Art, ganz grob jetzt), kleinem Schauspiel usw, begleitet von einem reduzierten Ensemble. Eine kleine konzeptionelle und stilvolle Inszenierung, abgestimmt auf den jeweiligen Textinhalt, würde mir also gefallen. Nicht so dramatisch und pathetisch, wie sich das jetzt vielleicht anhört, eher locker, ein kleines skurriles Kammerspiel mit schräger Musik und schrägen Charakteren - und schrägen Gästen :o)

Aber bei all dem liegt eben auch das Prob, dass es umgesetzt werden will. Auch wenn Ideen genug da sind, braucht eine Umsetzung Zeit, Energie und Leute, fürchte ich. Selbst wenn die Umsetzung minimal und "klein" wirken soll. Meistens ist gerade dies schlimmste Arbeit, da jedes Detail zählt.
Das sind meine Gedanken dazu.

 

 

Auf eurer Seite verlinkt ihr zu tierrechte.de und peta.de - in wie weit seid ihr selbst im Tierschutz involviert? Seid ihr Vegatarier oder Veganer und wenn ja, gab es dann eine Art Schlüsselerlebnis, das euch dazu gebracht hat?

 

Frage gestellt von: pinklikepussy

 

Hmm, wir sind nicht in dem Maße, wie wir beide das wohl gerne machen würden, involviert. Ja, wir sind beide aus ethischen Gründen Vegetarier.
Diese ganzen Studien und Erkenntnisse, dass man länger gesünder lebt etc sind mir persönlich dabei eher egal oder zumindest zweitrangig.
Wir sind auch ganz umgänglich und keine militanten Vegetarier, was das angeht :o) Dh, wir gehen gerne auch mit unseren Freunden essen, die nicht von ihrem Steak lassen können. Ich habe damit keine Probleme und sowieso: mit Vegetarismus missionieren zu wollen (wie mit allem anderen ja auch), kommt immer nur unsympathisch rüber und ist somit eher ein Schuss nach hinten. Ich kann es also nur für mich selbst festlegen.
Aber klar. Wenn mir Leute erzählen, dass sie sich auch schon Gedanken gemacht haben und es mal ausprobieren wollen, oder dass sie jetzt zumindest mehr darauf achten, wo ihr Fleisch herkommt um dieses kranke System nicht mehr mit dem Kauf von Billigkrams zu unterstützen, dann ist das schon ein riesiger Schritt! Es ist mehr ein Bewusstseinsding, finde ich.

Ich weiß, Peta hat da weniger gemäßigtere Ansichten. Es ist aber wie mit allem Sozialkritischen: es ist gut, dass es solche Institutionen und eine "Front" gibt, sonst würde sich einfach nichts bewegen in unserer Gesellschaft. Es geht ja darum, mehr Menschen aufzuzeigen: hey, guckt mal, was unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hier und hier aus uns gemacht hat und was für ein hirnrissiges und kurzsichtiges System aus Ausnutzung und Gewinnmaximierung daraus geworden ist. In vielen Bereichen ist das einfach nur noch bescheuert, was da abgeht. Aber das mag an der Mentalität der Leute liegen, die das sagen haben - und damit meine ich nicht unbedingt unsere Politiker, denn die sind alle eher Marionetten der Wirtschaft.

Ach ja, ich schweife ab... Ein Schlüsselerlebnis? Tatsächlich, ja. Das waren einige echt üble Dokus über Tiertransporte. Das war 1991 und seit dem war das Thema für mich persönlich gründlich durch. Das ist total merkwürdig. Ich sehe ja gerne Horrorfilme und hab früher als Pfleger im Krankenhaus wirklich die heftigsten Dinge miterlebt, aber wenn ich Reportagen über Misshandlungen von Tieren sehe, dann nimmt mich das völlig mit.
Es war natürlich auch hilfreich, dass unglaublich viele Musiker, deren Songs ich mochte, Vegetarier sind. Das geht von Siouxsie über Morrissey zurück zu Richard Wagner.

 

 

Wenn ihr eure Musik jemandem beschreiben müsstet, ohne sie demjenigen vorspielen zu können, wie würde diese Beschreibung aussehen?

Frage gestellt von: pinklikepussy

 

Zunächst muss ich sagen, dass ich mit Sicherheit unsere Musik ganz anders empfinde als Du es tun wirst. Das ist normal. Dh, das, was mir dazu einfällt könnte so mancher vielleicht gar nicht nachvollziehen (der die Musik kennt) und andere (die sie nicht kennen) könnten sich ganz falsche Vorstellungen daraufhin machen.
Wir erleben ja Leute, die gerne mehr die brachialere Seite von uns mögen, andere mögen mehr die skurrilen und schrägen Sachen, wieder andere die philosophischen Texte oder die melancholische Stimmung hier und da. Diesen Unterschied haben wir am deutlichsten nach der Veröffentlichung von Biestblut bemerkt.

Ok, wie würde ich unser Tun beschreiben... ? Ich darf also nicht nur einen Aspekt beschreiben. Ich darf nicht nur sagen, Stillste Stund kling oft melancholisch, introvertiert... Das klingt nicht nach Untertage und Der Untergang. Wir haben sporadische 90er EBM-Einflüsse, nur eine kleine Prise Industrial, Neo-Klassik, öfter dann noch Kammermusik-Elemente (vor allem auf dem nächsten Album). Unsere persönlichen Interessen/Wurzeln liegen dann wiederum im 80er Darkwave, was sich aber eher nur in der Stimmung hier und da ausdrückt, und in Post Punk/Goth Rock. Stillste Stund ist vor allem auf der nächsten CD nicht rein elektronisch, nicht akustisch. Nicht Fisch, nicht Fleisch (und das sage ich, als Vegetarier).
Aber bei allen Betrachtungen, scheint hierzulande eher der Text für die Einordnung von Stillste Stund für einige Hörer vordergründig zu sein. Im Ausland werden wir zum Glück ganz anders eingeordnet und wahrgenommen.
Also, da ich selbst hier fest stecke: wie würdet Ihr unsere Musik in einem Satz beschreiben wollen?

 

 

Sind für die Zukunft weitere Merchandise Artikel (z.B. Aufnäher oder Girlie-Shirts) geplant?

Frage gestellt von: pinklikepussy

 

Von mir aus gerne. Die letzten Shirts fanden wir selbst allerdings furchtbar. Der Druck und die Farben sind gruselig rausgekommen - so ... pastell... Die Buttons sind schöner, weil sie halt wie unser Cover sind.
Ich weiß nicht, ob unser Label nochmal welche machen wird. Dabei fände ich ein paar schwarze Shirts einfach nur mit Textzitaten sehr schön. Ach, mal sehen. Wir werden uns auf jeden Fall noch mal Gedanken zum nächsten Album dann machen.

 

 

Mit welchem Lied von euch oder einer anderen Gruppe würdet ihr euch persönlich am besten beschreiben können?
Und wenn ihr StSt selbst mit einem Lied beschreiben wolltet, welches würdet ihr wählen?

Frage gestellt von: Riesenraddieb

 

Pffft, sehr schwer! Ich mag so viele Sachen aus sehr unterschiedlichen Genres und Stilistiken. Das geht über Danny Elfman, der die Musik für viele Tim Burton-Filme macht, aber auch Planet of the Apes usw. und vielen weiteren Filmscore-Schreibern bis über die Klassiker aus der Szene (meist 70er/80er Postpunk, Goth Rock, Darkwave), dann Klassik der Spätromantik (Wagner vornehmlich) oder der dissonanten Moderne/Avantgarde (Schönberg, Ligeti), aber auch experimentellen Indierock. Das sind also alles Sachen, die tauchen bei Stillste Sund nicht wirklich konkret auf, aber dennoch empfinde ich es so, als würden sie mit hineinfließen. Oder mal andersherum: hätte ich nicht diese Interessen, würde Stillste Stund mit Sicherheit ganz anders klingen.
Aber sollte ich nun wirklich einen Titel nennen müssen, aus dessen Stimmung ich schöpfe - es wäre für mich "Faith" vom Album "Faith" von The Cure, meine alten und ewigen Helden... Also, meinem Empfinden nach, meiner Stimmung nach.

Und für Stillste Stund allgemein stellvertretend... Kann ich definitiv nicht so konkret auf einen Titel beschränkt sagen. Aber ich kann Dir einen Titel nennen, der für mich stimmungsmäßig einen hohen Stellenwert aus unserem Repertoire hat, "Tausende von Welten".

 

 

Welchen persönlichen Bezug habt ihr zu der Krabat-Geschichte und was hat euch genau dazu bewogen ein Lied darüber zu verfassen. Was hat euch daran am meisten beeindruckt, bzw. geprägt?

Frage gestellt von: Riesenraddieb

 

Krabat ist einfach eine hübsche Geschichte mit vielen Apsekten, die mir darin gefallen: Romantik auf der einen Seite, und dieser dunkle Charakter auf der anderen. Auswegslosigkeit zunächst - Durchhalten - Hoffnung - Befreiung (zumindest im Original).
Die Geschichte bei uns bleibt eher offen. Man kann den letzten Refrain als Antwort auf die Frage des Meisters verstehen (das unentwegte Drehen des Mühlenrads bestimmt den Weltenlauf - also eine Metapher, die wiederum unklar und vieldeutbar bleibt) oder man sieht das Wiederkehren des Refs an dieser Stelle als ein Versagen des Protagonisten und seine Rückkehr in die Mühle und an die Arbeit.

übrigens, weil ich vorm Anmelden mal im Forum durchgeblättert habe und Ihr Euch darüber Gedanken gemacht habt: Die ursprüngliche Geschichte entstammt einer Sage aus der Lausitz (wenn ich mich recht erinnere, ging es da - wie so oft - auch noch um einen Ring). Ottfried Preußler hat sie später in seinem Buch "Krabat" aufgegriffen und stark verändert. Ebenso hat sich Jurij Brezan in "Die schwarze Mühle" davon fesseln lassen. Unser Text ist wiederum eine Adaption. Gleich ist jedoch dieser schöne Gedanke, dass ein Müllerbursche, der zusammen mit den anderen Burschen vom dunklen Müllermeister, der mit Tod und Teufel im Bunde steht, regelmäßig zu Raben verwandelt wird und ein Mädchen ihn aus allen Raben dennoch heraus erkennen kann, weil sie ihn liebt. Nur so ist ein Müllerjunge aus dieser finsteren Mühle den Vorschriften nach zu erlösen. Der Koraktor ist dabei ein riesiges Regelwerk, ein Buch mit Zaubersprüchen und Richtlinien. In Preußlers Buch ist das Ende viel konkreter. Krabat wird vom Meister in die dunkle Zauberkunst eingeweiht und angelernt, wird irgendwann sein bester Schüler usw....
Ich finde, die Mühle und das alles hat eine tolle metaphorische Wirkung. Man kann da viel hineindeuten. Sowas gefällt mir. Und das war ausschlaggebend dafür, einen Titel dazu zu machen.

 

 

Alle warten gespannt auf eine neue Veröffentlichung eurerseits. Wann ist es denn endlich wieder soweit? =)

Frage gestellt von: rikku

 

Pssst...
Ich hoffe auf die Einhaltung einer gewissen Gleichmäßigkeit, was die Zeitspannen zwischen unseren Alben angeht. Unser Label hat da auch immer noch etwas mitzureden, denn es muss ja die ganze Organisation mit vielen anderen Vös koordinieren. Daher noch kein Datum, nichtmal grob, sorry.

 

 

Mich und einige andere würde interessieren, wie bei Euch der "Schaffensprozess" abläuft, d.h. wer steuert die Texte bei; wer hat die Ideen im musikalischen Bereich etc. ^^

Frage gestellt von: rikku

 

Das ist bei jedem Stück anders. So bleibt es auch immer interessant für uns. Bei vielleicht 80-90% der Stücke stammen Musik und Texte von mir. Die meisten Parts, die Birgit singt, hat sie auch selbst geschrieben, Text und Gesangslinien also. Da ab und zu solche Linien vor der restlichen Musik existierten, sind Tracks wie Gambit, Ananke und Apocalyptic Noon von mir eher um Birgits Linien "herumgebaut" worden. Das ist eine sehr unübliche, aber auch interessante Weise, Stücke zu machen. Denn normalerweise entstehen Musikstücke eher aus einer Idee im rhythmischen Bereich, worauf sich dann der Rest aufbaut, und ziemlich zum Ende hin kommen erst Text und Gesang dazu. Sowas geht auch viel schneller.
Der Rest obliegt meiner Wenigkeit. Akustische und elektronische Instrumente, Technik usw. Birgit macht dafür dann wieder die Grafik, also Coverdesign, unsere Homepage, auch die meisten Fotos, aus denen sich alles Grafische zusammensetzt - gerade beim Booklet ist das Einiges. Ich habe auch noch den Harlekin (siehe mein vorläufiges Avatar) und die Spieluhr vom Cover. Wir sind daher 100% unabhängig bis zu diesem Punkt und daher echt "indie". Klar, wir sind nicht die Profis in alledem, aber wir wachsen mit den Aufgaben und wir stellen uns immer größeren Aufgaben.

 

 


Im Booklet von "Ein Mensch Ein Ding Ein Traum" steht ja eine Art Widmung an die Hörer: Für alle, die sich fremd fühlen in dieser Welt und oftmals eher eine Verbundenheit zu Bäumen als zu den meisten Menschen verspüren...

Lebt ihr diese Einstellung am Alltag, und wenn ja, inwiefern und wie kam es dazu, dass ihr womöglich eine gewisse Verachtung gegenüber bestimmten Menschen verspürt?

Frage gestellt von: Dystopia

 

Ich mag Bäume einfach. Das klingt womöglich nach dem Naturliebhaber, der gerne wandern geht - aber das sind wir aber beide nicht.
Dennoch ziehe ich persönlich einen dunklen, nächtlichen, abgelegenen Wald gerne einer kreischenden Menschenanhäufung vor. Ich weiß nicht, wie das kommt. Da liegt so viel Energie drin - und das andere zieht oft eher Energie ab, finde ich. Andere werden es anders empfinden. Es ist jeder anders.
Es ist auch nicht so, dass ich nicht beides kennen würde und vielleicht nicht wüsste, wovon ich rede. Ich habe sowohl eine Zeit lang in einem kleinen Häuschen im Wald gelebt als auch in einer City. Und ich weiß genau, was mir besser gefallen hat :o) In der Stadt kann man seine Vorliebe für Baum und Wald leider nur schwer ausleben und muss öfter mal rausfahren. Und ich bin ganz ehrlich, wäre da nicht mein Doggy, dann wäre ich dafür womöglich zu bequem.

 

 

Dass ihr euch klar vom Christentum abwendet, ist unverkennbar. Seid ihr dennoch in irgendeiner Weise gläubig, d.h. gibt es eine Religion oder ein "höheres Wesen" (egal in welcher Form) in eurem Leben?

Frage gestellt von: Dystopia

 

Wir haben definitiv nichts gegen das/den Glauben (egal welcher Richtung). Ich finde Religionen sehr interessant, sie verraten viel über Menschen und ihre ängste. "Das Ende aller Sehsüchte" greift Aspekte aus dem Buddhismus auf (völlige Auflösung des Selbst). Wir wissen auch, dass es "christliche" Stillste Stund-Hörer gibt. Das ist gar nicht mal so merkwürdig, wie wir selbst in Anbetracht von "Unter Kreuzen" erst dachten. Glaube hat nichts wirklich mit Kirche zu tun. Kirche und ähnliche Glaubens-Institutionen sind für mich irgendwie etwas Aggressives, Gebietendes, in einigen Teilen der Welt aufrührerisch (aber eher nur zum Schlechten) und kriegstreibend, in anderen einschüchternd oder wirtschaftlich denkend und gewaltverherrlichender als so mancher indizierter Ego-Shooter. Ist z.B. der Vatikan ein armer Staat? Es heißt, er wäre der größte Grundbesitzer auf der ganzen Welt, hätte wahrscheinlich den umfangreichsten Geheimdienst und die meisten Mittel zur Verfügung. Gemessen an seinen Möglichkeiten, könnte gerade der Kirchenstaat eine Menge Positives in unserer Welt bewegen. Aber es hält sich doch eher in (unseriösen) Grenzen. Vielleicht glaubt da jemand nicht an das, was er predigt.
Ich kann daher nur sagen, dass ich Kirchen abstoßend finde. Die Gebäude nicht, klar :o) Aber Kirche als Institution ist mir persönlich suspekt. Ich könnte damit nie Begriffe wie "Vertrauen", "Heimat" oder so etwas verbinden. Da fühle ich mich ja mehr verbunden mit der Firma, die das Biofutter für meinen Hund herstellt.

An was ich glauben soll und kann, weiß ich nicht. Man kann sehr fest an etwas glauben, aber man kann nichts wissen. Unser "Wissen" ist auf das beschränkt, was in unseren Möglichkeiten liegt und ich glaube (daran glaube ich tatsächlich), dass diese Möglichkeiten nicht so üppig ausgefallen sind, wir die Wirklichkeit es erfordern würde. Wir sind an das gebunden, was wir uns vorstellen oder mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Das ist (und auch das glaube ich) aber nur ein Bruchteil der Wahrheit. Für mich ist nur sicher, dass das, was wir als unser Leben erleben, nur ein Bruchteil einer Existenz ist, wie diese auch immer aussehen mag. Vielleicht folgt alles einer Gesetzmäßigkeit (das wäre dann die "Macht"?) oder ist ein unbedeutender Zufall. Ich tendiere zur Zeit wieder mehr zu letzterem und behaupte jetzt einfach mal (und damit beschäftige ich mich auch auf der nächsten CD): alles, was wir täglich erleben und wofür wir uns hier abzappeln ist plötzlich nicht mehr wichtig, wenn wir nachts längere Zeit in den Sternenhimmel blicken.

Mit diesem Thema und den verschiedenen Meinungen dazu können wir Foren, Bücher, Köpfe füllen...

 

 

Wird das nächste Album (so wie viele hier hoffen) wieder ein komplett deutschsprachiges?

Frage gestellt von: Wunschmeister

 

Japp.
Wenn ich mich nicht irre, haben wir 12 Titel in (hoffentlich) gutem Deutsch auf der nächsten Platte plus weitere 7 bis 9 auf der Ltd. Edition, wenn nichts dazwischen kommt.

Die englischen Titel auf Blendwerk haben sich aus verschiedenen Gründen ergeben. Und - auch wenn Blendwerk Antikunst kein Konzeptalbum in dem Sinne war - passte dieser Umstand, englische Texte zu benutzen und Musik hier und da mehr in den Vordergrund zu stellen, einfach gut in den Kontext , wie wir ihn sehen wollten. Vieles war eine Art Richtungssuche und Ausprobieren auf dem Album und von daher extrem wichtig.

 

 

Wird es eine Fortsetzung zur Krabat-Adaption "Mühle mahlt" geben? z.B. aus der Sicht des Meisters.

Frage gestellt von: Wunschmeister

 

Aus der Sicht des Meisters, sagst Du...? Wirklich netter Gedanke...
Ich mag Fortsetzungen und es wird auch - neben der Offensichtlichen und sehr Umfangreichen, nämlich Alice III - ein absolut unscheinbarer und viel zu wenig beachteter Titel von unserem ersten Album - Ein Mensch, ein Ding, ein Traum - eine kleine Fortsetzung finden.
Ich habe komischerweise "Mühle mahlt" selbst nie diese Beachtung geschenkt, die das Stück von Euch erhalten hat.
Ich muss darüber nachdenken...

 

 

Was hat euch überhaupt dazu verleitet Musik zu machen? Und kam dieser Entschluss von euch selbst oder war der Einfluss von Außen auch ein wichtiger Aspekt?

Frage gestellt von: Riesenraddieb

 

Ich weiß gar nicht. Wie kommt sowas? Ihr macht alle irgendwelche Dinge mit sehr viel Enthusiasmus, denke ich mal. Sport, Kunst, Forschen, Gesellschaftliches... das kann einen alles völlig vereinnahmen. Oft stößt man durch Zufall auf irgendeine Sache, die dann zur Obsession werden kann.
Ich hab früher mal gezeichnet. Ich dachte auch, dass es dabei bleiben würde. Dann hatte ich Lust, E-Bass zu spielen, hab dann irgendwann in Synthpop- /Postpunk- /Indiebands gespielt. Hat Spaß gemacht und ich schrieb dann Songs, Texte... Im Rahmen meiner Tätigkeit in Tonstudios habe ich dann ne Zeit lang Filme als Tonassistent mit synchronisiert und ab und zu mal ne Statistenrolle gesprochen. Die Art und Weise, wie die Sprecher, fast alles Schauspieler, vorm Mikro sich beim Synchronisieren eines Filmtakes "gebärdet" haben und wie man mit seiner Sprechstimme arbeiten kann, haben mich so fasziniert, dass es in das einfloss, was ich machen wollte. Mehr Sprache, mehr Text daher.
Ich selbst bin weit, weit entfernt von dem, was ich gerne sprachlich machen und können würde. Es würde wohl auch eine Schauspielausbildung erfordern.

Tja, wichtig ist die Frage, welchen Stellenwert diese Vorhaben im Leben bekommen. Kreativität drückt sich in so vielem aus. Es ist ja nicht nur in Musik und Malerei, Bildende Kunst so. Fotografieren, Schreiben, Schneidern, Grafik, Kochen und so vieles mehr sind bei vielen Menschen super-kreative Vorgänge. Ich glaube auch, dass es wichtig für unsere Psyche ist, etwas "erschaffen" zu können. Glück hat sicherlich, wer das passende für sich entdeckt hat und sich dort hemmungslos austoben darf.

Von Außen gab es da also keinen so richtig konkreten Anstoß bei mir. Es ist eher ein Prozess, und Prozesse, wie persönliche Entwicklung eben, enden ein Leben lang nicht - hoffentlich zumindest.

 

 

Werdet ihr in Zukunft evtl. auch mal wieder ein Konzeptalbum mit durchgängiger Handlung a la Biestblut rausbringen?

Frage gestellt von: Kreis

 

Wieder eine Frage, die ich nicht wirklich eindeutig beantworten kann. Ein Ja." oder "nein." bekommt Ihr selten, ich weiß... Es wäre damit einfach nicht getan.
Also, ich hole aus... Biestblut war eigentlich viel länger geplant. Wir hatten damals nicht die Möglichkeit, eine Doppel-CD herausbringen zu können. Diese Option gabs erst ab Blendwerk für uns. Immerhin wurde es dann ein 78-Minuten Album. Ursprünglich gab es also mehr als 7 Szenen. Ich hab eine konkrete 8. Szene in drei Unterteilen (wie gehabt) in der der Schöpfer des Wesens irgendwann stirbt und dann dabei nochmal auf seine gedankliche Kreatur trifft. Sehr abstrus und surreal. Ursprünglich, weshalb ich eigentlich gerne eine DoCD gehabt hätte, war da aber auch noch die Idee, dass es noch eine zweite Parallel-Kreatur - einen weiblichen Gegenpart - geben müsste. Beide wären sich jedoch erst kurz vor Schluss begegnet.
Es hätte dann wohl auch länger bis zur Veröffentlichung gedauert... So bin ich heute zufrieden, dass es so rausgekommen ist, wie es ist. Es ist so schon viel Stoff.

Und generell: Konzeptalbum schon, und es wird auch etwas kleines Konzeptionelles auf der Limited Edition zum nächsten Album geben, und diese Geschichte beginnt mit "A". Aber es wird nicht wieder in dieser erschlagenden Form wie bei B, wie Biestblut, dann enden. Vorerst bestimmt nicht.
Dennoch mag ich gerne, wenn ein Aspekt immer mal hier und da auf einem Album aufblitzt und so der Eindruck eines übergreifenden leichten Konzepts entsteht, was aber jedem Track noch genug Freiheiten lässt.

 

 

Auf "Geistunter" meine ich eine Anspielung  auf die amerikanische Obrigkeit entdeckt zu haben, habe ich Recht? Wenn ja: Bezieht ihr subtil politische Position oder ist euch das nicht so wichtig?

Frage gestellt von: Kreis

 

Aber nein doch, Bush-Feuer schreibt man doch ohne c, oder? :o)
Ich hätte schon Lust, Politisches und mehr Soziales in den Texten anzusprechen. Es gibt so viele ärgernisse... Aber das lässt sich in konkreter Form schlecht mit unserer Atmosphäre vereinbaren. Das war schon mit "Darwin" sehr schwer. Daher nur ein kleiner Ausflug mit "Geistunter". Blendwerk war eben ein Sammelsurium an Experimenten und daher ungeheuer wichtig für uns. Eine fantastische Spielwiese, könnte man sagen. :o)

 

 

Ich wollte nur eine kurze, einfache Frage stellen und ich wüsste niemandem dem ich diese Frage lieber stellen will als einem Anhänger Nietzsches (sogar der Bandname geht ja darauf zurück) und Ablehner des Christentums:

Wie kommt ein Nihilist mit seiner eigenen Sterblichkeit klar?

Frage gestellt von: F_GX

 

Hmm.. Sie verneinen und ignorieren?
Nein, ich weiß nicht mal ob ich mich als nihilistisch bezeichnen würde. Ich bin viel zu sehr meinen Einstellungen zu Werten und Moral verhaftet. Ich hab zu viele Ideale, um mich als Nihilist bezeichnen zu können, denke ich. Auch Nietzsche hatte Ideale und war nie rein nihilistisch. In meiner Ausgabe von Also sprach Zarathustra gibt es ein sehr schön recherchiertes Nachwort, in dem Thomas Mann aufgedeckt, dass N. doch immer die Dinge am heftigsten verneint hat, die ihn am meisten faszinierten. Und es wird auch angemerkt, dass N.s Genie vielleicht einfach nur seine fortschreitende Geisteskrankheit gewesen sein könnte (ohne ihn damit abwerten zu wollen, denn sein Genie steht sicher außer Frage). Soweit ich mich erinnere.
Ich hab immer so Phasen, in denen mich irgendwelche Dinge ausführlicher beschäftigen und die meine Einstellung zu solchen Dingen dann stark beeinflussen, manchmal sogar umkehren. Das geht über Esoterik-Religionen-Naturwissenschaften usw. Momentan geht das eher in naturwissenschaftliche Richtungen und daher sehe ich einiges auch plötzlich wieder nüchterner als noch vor ein, zwei Jahren.

Ich glaube, ich habe jeden Denkansatz in dieser Richtung schon verfolgt mittlerweile.
Da ich Sterblichkeit als nichts krankhaft Ungewöhnliches im Leben ansehe, komme ich damit auch ganz gut klar, glaube ich.
:D

 

 

 

 


Bis demnächst sicher mal
& gehabt Euch wohl!

O

 

Interview erstellt am: 15.04.2007, 22:23 

 

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